Extra! Video 4

Sehen lernen

Einleitung zur Übung

In der Arbeit mit Mimik ist eine Fähigkeit entscheidend: zwischen dem, was tatsächlich sichtbar ist, und dem, was wir daraus ableiten, zu unterscheiden. Unser Gehirn interpretitiert automatisch. Innerhalb von Sekunden entstehen Annahmen wie „nervös“, „unsicher“, „zustimmend“ oder „genervt“. Für eine präzise Mimikbeobachtung ist das jedoch problematisch. Denn Interpretation ist nicht Beobachtung.

Ziel dieser Übung ist es daher, Ihre Wahrnehmung zu schärfen und bewusst zwischen Sehen und Deuten zu trennen. Sie arbeiten dabei mit einer kurzen Video-Sequenz, die an bestimmten Stellen angehalten wird.

1. Aufgabe – Sehen
Sehen Sie sich die jeweilige Videosequenz bzw. den angehaltenen Moment genau an und markieren Sie ausschließlich, welche sichtbaren Veränderungen im Gesicht erkennbar sind.
Kreuzen Sie mindestens eine, maximal drei Optionen an. Entscheidend ist nur, was Sie tatsächlich sehen können.

2. Aufgabe – Beschreiben
Beschreiben Sie anschließend in eigenen Worten, was Sie sehen. Beginnen Sie mit: „Ich sehe…“

Wichtig:
Beschreiben Sie nur sichtbare Veränderungen im Gesicht. Vermeiden Sie dabei bewusst Emotionen, Motiv, Ursachen oder Vermutungen. Formulieren Sie also nicht, was jemand fühlt oder warum etwas passiert, sondern nur, was sich sichtbar verändert.

3. Aufgabe – Selbstkontrolle
Lesen Sie Ihre Beschreibung noch einmal durch und prüfen Sie kritisch: Welche Wörter beschreiben tatsächlich etwas Sichtbares – und welche sind bereits Interpretation?

Markieren Sie alle Begriffe, die nicht direkt beobachtbar sind.

Diese Übung hilft Ihnen, Ihre Wahrnehmung zu präzisieren und eine zentrale Grundlage der Mimikanalyse zu trainieren: erst beobachten, dann interpretieren.

Für diese Übung stellen wir Ihnen ein Arbeitsblatt (Klicken zum downloaden) zur Verfügung. Es dient als Orientierung und kann direkt während der Übung verwendet werden, um Ihre Beobachtungen strukturiert festzuhalten.